Schon der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt war sich vor 200 Jahren sicher: "Wenn man nur einen Flecken dieser Erde als Paradies bezeichnen dürfte, müsste es... Mexiko sein." Und kein Zweifel: Mit atemberaubenden Kakteenlandschaften, Regenwäldern, schneeblitzenden Vulkanen, tiefblauen Lagunen und feinsandigen Traumstränden ist das Land zwischen Atlantik und Pazifik in der Tat reich gesegnet. Auch das kulturelle Erbe dieses Landes ist in seiner Vielfalt einzigartig auf dem amerikanischen Kontinent. Von diesem kulturellem Reichtum berichte ich in Knaurs Kulturführer Mexiko, und selbst der damaliger Botschafter Mexikos zeigte sich angetan. Über ein Jahr Recherche und ausgedehnte Reisen durch das Land waren vorausgegangen, und über 5000 Fotos wurden geschossen.
In den Freilichtmuseen der Golfküste künden die Kolossalköpfe der Olmeken von einer geheimnisumwitterten Vergangenheit, im feuchtheißen Busch von Yucatán und im Regenwald von Chiapas verbergen sich die einzigartigen Pyramiden und Paläste von Palenque, Uxmal und Chichén Itzá, erbaut von den Maya, die zwar das Rad nicht verwandten, deren Kalendersystem aber bereits die Null kannte und Jahrmillionen exakt zu berechnen wußte. Im kühleren Hochland locken weitere stumme Zeugen vergangener Größe: Teotihuacán, die größte Stadt Mesoamerikas, in der "die Menschen zu Götter wurden", das so malerisch auf einem Berg gelegene Monte Albán, in dessen Gräbern die Goldschätze schlummerten, von denen die Konquistadoren meist vergeblich träumten, und in der einstigen toltekischen Kriegermetropole Tula blicken riesige Atlanten unbewegt auf eine karge Kakteensteppe, die so erstaunliche Hochkulturen hervorbrachte.
Mit den kolonialen Kunstdenkmälern, wo sich das Vertraute mit dem Fremden mischt, tritt uns das Wesen Mexikos vielleicht deutlicher vor Augen als mit den oft rätselhaft und unverständlich bleibenden Zeugen der untergegangenen mesoamerikanischen Kulturen. Nur zu oft können die eindrucksvollen Renaissanceklöster mit ihrem plateresken Fassadenschmuck sowie die unzähligen Kirchen im überschwänglichen Barockstil, wie er in Europa nicht seinesgleichen findet, ja sogar die Paläste der in Neuspanien auf Kosten der Indígenas zu Geld und Ansehen gekommenen Silberbarone den zumindest unterschwelligen indianischen Einfluss nicht verleugnen und zeugen davon, dass die Konquista nicht nur Zerstörung, sondern auch Neubeginn bedeutete.
Auch das moderne Mexiko kam nicht zu kurz. Der Führer stellt die monumentalen Wandbilder der Muralisten vor, die der oft analphabetischen Bevölkerung die eigene Geschichte präsentieren sollten und zugleich Rückkehr zu den Wurzeln, sozialkritische Bilanz und utopischer Entwurf der Moderne bedeuteten. Und natürlich erzähle ich von den vielen Fiestas im Land, den Märkten, den Traditionen.
Etwas später folgte ein zweiter Band, Knaurs Kulturführer Mittelamerika. Die Welt der Maya. Er führt den Leser noch tiefer in die Regenwälder von Chiapas, Guatemala, Honduras und Belize, in den feuchtheißen Busch von Yucatán, zu den Pyramiden, Palästen, Stelen und Türstürzen von Tikal, Copán, Palenque, Yaxchilán, Chichén Itzá und Uxmal. Der Führer erläutert den komplizierten Kalender der Maya, berichtet von der Entzifferung der lange als rätselhaft geltenden Hieroglypheninschriften, die von Kriegen, Blutopfern, dem Aufstieg und Fall von Herrscherdynastien erzählen. Stellenweise besitzen die Forschungsergebnisse der Mayalogen eine verstörende Aktualität, denn es gilt mittlerweile als sicher, dass der Untergang der klassischen Maya eine Folge von Überbevölkerung und Raubbau an der Natur war: eine Warnung an uns alle.
Wer jedoch die Kultur der Maya mit dem romantischen Attribut "versunken" oder "untergegangen" versieht, sollte mit den Ruinenführern von Palenque sprechen. Auf die Frage der Touristen, wo um alles in der Welt nur die Erbauer der grandiosen Pyramiden geblieben seien, pflegen sie gerne zu antworten. "Wir sind immer noch hier. Wir sind niemals fortgegangen." Auch von ihnen berichtet dieser Kulturführer: Vom kosmologischen Muster in ihrer Kleidung, von den kopalrauchgeschwängerten Kirchen von Chichicastenango oder San Juan Chamula, in denen sich die von den spanischen Konquistadoren eingeführten katholischen Glaubensvorstellungen mit uralten Mayaritualen mischen. Aber die Kamera musste hier in der Tasche bleiben.
Reisen durch Südmexiko und Mittelamerika mögen heute nicht mehr ganz so abenteuerlich sein wie zu den Zeiten von Stephens und Catherwood, doch spannend wurde es schon. So geriet ich mitten in einen verheerenden Wirbelsturm und erlebte einen Guerillaüberfall der Zapatisten in Chiapas hautnah mit. Umso wunderbarer war die traumverlorene Zeit, die ich mit den Lakandonen, die (fast) noch so leben wie die Maya der klassischen Zeit, tief im Regenwald am Río Usumacinta verbrachte. Und da war dann noch diese atemberaubende Nacht allein inmitten der Maya-Tempel von Tikal in Guatemala, inklusive einer überhaupt nicht ungefährlichen Begegnung mit einem hungrigen Jaguar...
In einem spanischen Ritterroman ist von einer Insel voller Gold namens California die Rede, bevölkert von wunderschönen Amazonen. Die spanischen Konquistadoren hatten zwar von Baywatch keine Ahnung, dennoch eine blühende Phantasie. Auf der Suche nach Gold bzw. Dollars zieht es heute Millionen von Mexikanern ins Gelobte Land. Mit einem deutschen Reisepass ist der Grenzübertritt von Tijuana nach San Diego natürlich leichter. Let's go!
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