Australien, Karibik, Mexiko... ist Deutschland da nicht langweilig dagegen? Von wegen! Zugegeben, an einem nebligen Wintertag aus sonniger Ferne in der Heimat zu landen und in griesgrämige Gesichter zu blicken ist gelegentlich ein regelrechter Kulturschock: doch Deutschland hat auch seine Schokoladenseiten. Selbst wenn die Sonne mal nicht scheint...
Kreuz und quer durch ganz Deutschland fahren und die schönsten Traumziele zwischen Sylt und Zugspitze zu entdecken? Der Polyglott Verlag machte es möglich. Die Recherchen zu Deutschland neu entdecken. 100 Sehnsuchtsziele waren eine wirklich traumhafte Wiederentdeckung heimatlicher Schönheiten. Einmal nachgucken, wo genau am Strand von Hiddensee Nina Hagens Mischa den Farbfilm vergessen hat, wo Canaletto Dresden auf Leinwand bannte, wo Theodor Storms Inseln wie Träume im Nebel auf dem Meer liegen, von welchem Aussichtspunkt das Zugspitzmassiv am schönsten ist oder wo Umberto Ecos "Name der Rose" verfilmt wurde, das war in der Tat ein "Traumjob". Und soviel darf schon verraten werden: Es gibt eine Fortsetzung!
Kaum waren die Sehnsuchtsziele Deutschlands erschienen, ging es schon wieder auf Achse: diesmal auf Deutschlands schönsten, spannenden und kuriosesten Ferienstraßen. Daraus entstanden ist ein neuer Polyglott Special-Band mit dem Titel Ferienstraßen in Deutschland. Auf alten und neuen Wegen. Klar, die Deutsche Alpenstraße, die Burgenstraße und die Romantische Straße kennt jedes Kind, aber wie steht es mit Spargelstraße, Viezstraße oder Krimistraße? Kannten Sie schon die romantischen "Himmelswege" oder die nach dem deutschen Fußballmärchen 2006 entstandene Deutsche Fußballroute NRW? Familien mit Kindern werden natürlich die Deutsche Spielzeugstraße und die Märchenstraße besonders lieben. Und angesichts der immer höher kletternden Benzinpreise sind Tipps, wie man die Ferienstraßen auch ohne Auto, nämlich mit Bus, Bahn oder Fahrrad erkunden kann, besonders hilfreich.
Nach den ausgiebigen Überlandfahrten waren nun die Städte dran. Deutschland bietet ja wirklich ideale Voraussetzungen für Städtereisen. Aber wohin soll der Kurzentschlossene nun fahren? Deutschlands schönste Städte. 55 Lieblingsziele bietet jede Menge Entscheidungshilfen von Aachen bis Würzburg. Bei den preiswerten Unterkünften waren individuelles Flair und günstige Lage ausschlaggebend, bei den Restaurants zählte besonders die regionaltypische Qualität und Atmosphäre. Bei der Auswahl der Einkaufstipps hatten diejenigen Geschäfte besonders gute Chancen, die regionale kulinarische Spezialitäten, Kunsthandwerk, Schmuck oder Mode führen. Auch im Hinblick auf die Nightlife-Adressen wurde Facettenreichtum angestebt. Kulturelle Highlights wie Theater, Oper, Konzerthäuser und Kabarett sollten ebenso vertreten sein wie schicke Bars, Nightclubs und Diskotheken.
Wenn selbst das Bundeskanzleramt um signierte Buchexemplare ansucht, hat man wohl etwas richtig gemacht! Wie schön Norddeutschland ist, habe ich - als Bayer - erst mit den Recherchen zu Knaurs Kulturführer Niedersachsen und Bremen wirklich erfahren. An Kunstschätzen ist diese Region wirklich überreich gesegnet: Ottonische Romanik, spätgotische Schnitzaltäre aus der Blütezeit der Hanse, architektonische Meisterwerke der Weserrenaissance, Ludwig Münstermann, der "Michelangelo des Nordens", Barockschnitzereien von Meister Cröpelin, alte Fachwerkromantik des Weserberglandes, wo die Gebrüder Grimm Dornröschen und Frau Holle wohnen ließen, und die vielen alten Bauernkirchen zwischen Elbe und Weser, die innen oft unvermuteten Prunk entfalten. Schließlich Bremen, dessen Roland und das prunkvolle Rathaus von frühem Bürgerstolz künden. Und die Menschen waren nicht nur "sturmfest und erdverwachsen", wie es im Niedersachsenlied heißt, sondern auch ausgesprochen gastfreundlich. Und das zu einem Münchner! Aber München wurde ja bekanntlich von einem Niedersachsen gegründet, Heinrich dem Löwen...
Über meine Heimatstadt zu schreiben war natürlich Ehrensache, übrigens für einen Hamburger Verlag! Der HB Bildatlas City Tour München geriet zur humorvollen Hommage an die Isarmetropole, und es war schon praktisch, Münchens Sehenswürdigkeiten und Top-Adressen mit einem Spaziergang von der eigenen Haustür aus erreichen zu können. Schön war auch, dass etwas "Granteln" erlaubt war, was bekanntlich nur der Münchner selbst über seine Stadt darf. Nordlichter werden in die philosophischen Abgründe der bayrischen Seele eingeweiht. Natürlich geht es auch ums Bier, denn den Rhythmus der Stadt bestimmen nicht die Jahreszeiten wie anderswo, sondern Starkbierzeit, Maibock, Biergartensaison und Oktoberfest. Und dann gibt es diese Tage, da weht dieses Föhnlüfterl, die Röcke schnellen plötzlich in die Höhe, die Biergärten und Cafés sind voll, die Büros leer. Ja, an lauen Sommerabenden unter schattigen Kastanien mit Freunden, Bekannten und Wildfremden seine Maß zu trinken und über Gott und die Welt zu philosophieren, auf dieses Privileg der Münchner könnte man selbst in Paris oder New York neidisch werden.
Wie hat der unvergessenen Münchner Komiker Karl Valentin so schön gesagt: "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde." Doch in "Himmel über der Wüste" gibt es einen Satz von Paul Bowles, der mir gewissermaßen zum Leitmotiv meiner Arbeit geworden ist: "Der Tourist besucht einen fernen Ort, bleibt ein paar Tage oder Wochen und kehrt dann nach Hause zurück. Der Reisende dagegen ist zu Hause, wo immer er auch gerade sein mag."
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